IT-Innovationen

RFID: Potenzial in der logistik

lntralogistik und Transparenz innerhalb der Produktion sind wesentliche Bestandteile der Vemetzten Fertigung. RFID ist eine effiziente technische Lösung, um Informationen direkt auf den Werkstücken unterzubringen.

Spezialist dafür ist die Abaco Informationssysteme GmbH, die auch die RFID-Factory auf der „Ligna“ präsentierte. Geschäftsführerin Anja M. Koitka sprach mit der „möbelfertigung“ über den Stand der Technik und Voraussetzungen für die effektive Anwendung der Technologie. Viel Potenzial steckt noch in der untermehmensübergreifenden Logistik.

möbelfertigung: Frau Koitka, wie ist der Stand der Technik im Bereich RFID? Hat sich in den letzten Monaten etwas getan?

Anja M. Koitka: Es gibt keine größeren technischen Veränderungen. Der von der Abaco auf der „Ligna“ 2015 gezeigte Stand der Technik ist für effektive Projekte in der Möbelindustrie absolut ausreichend.

möbelfertigung: wie gut wird RFID mittlerweile in der Möbelindustrie angenommen?

Anja M. Koitka: Es wird von unterschiedenen Untemehmen‚ speziell im Bereich der Intralogistik, auf RFID-Technologie gesetzt. Der unternehmensübergreifende Einsatz von RFID in der Logistik steckt noch in den Kinderschuhen. Es fehlt an gemeinsamen datentechnischen Standards, die einer gemeinsamen Nutzung des Transponders vorangestellt sein müssen. Wir sehen hier jedoch vielversprechende Aktivitäten, die in naher Zukunft greifen werden.

möbelfertigung: Gibt es Vorbehalte gegen die Technik?

Anja M. Koitka: Gegen die Technologie als solche nicht. Es ist nach unserer Auffassung eine neue Sicht auf die eigenen Prozesse notwendig, die sich noch nicht überall durchgesetzt hat beziehungsweise aus verschiedenen Gründen nicht einfach zu realisieren ist.

möbelfertigung: Für wen lohnt sich die Umstellung auf RFID?

Anja M. Koitka: Das ist natürlich von Fall zu Fall einzeln zu beurteilen. Als Faustforrnel kann man jedoch sagen, dass die Anzahl der zu verfolgenden Teile eine Rolle spielt. Ebenso ist die Art des Produkts und die Art des Transports durch das Unternehmen entscheidend. Je weniger zwangsgeführt ein Materialfluss ist‚ desto hoher ist der Bedarf an Fertigmeldungspunkten beziehungsweise an Lokalisierungen von Teilen oder Ladungsträgem. Auch kann man sagen, dass die Komplexität des Mlaterialflusses und die damit verbundene Anfälligkeit für menschliche Fehler ein Indikator für die Nützlichkeit der Technologie darstellt.

möbelfertigung: Welche Branchen sind in dem Bereich schon weiter?

Anja M. Koitka: Eine große Anzahl an Projekten gibt es in der Automobilindustrie. Wie schon vorher erwähnt , ist in der Möbel- und Möbelzulieferindustrie vieles in Bewegung, den ?ächendeckenden Einsatz von RFID envarten wir jedoch im Lauf der nächsten zwei Jahre.

mübelfertigung: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um das volle Potenzial von RFID auszuschöpfen?

Anja M. Koitka: Man muss zunächst seine Prozesse im Detail kennen. Erst dann ist es möglich zu bewerten, ob der Einsatz von RFID als Identifizierungsmedium vorteilhaft ist und einen kostensenkenden beziehungsweise leistungssteigemden Effekt haben kann.

möbelfer?gung: Wie können Sie Unternehmen helfen, ihre Technik auf den neuesten Stand zu bringen?

Anja M. Koitka: In den meisten Fällen handelt es sich bei unseren Projekten um eine Ersteinführung der Technologie. Insofern versuchen wir, gemeinsam mit unserem Kunden das Werkzeug RFID in den relevanten Prozessen im Unternehmen zu implementieren. Am Anfang steht dort immer eine klare Zieldefinition. Wenn man sich beispielhaft einmal den Prozess einer Verladung in einem Möbel produzierenden Unternehmen ansieht, würde dort zunächst eine Aufnahme des bisherigen Prozessablaufs durchgeführt werden.

Im Anschluss erfolgt eine Einschätzung, an vrelcher Stelle eine Identifizierung über RFID technisch infrage kommt. Darauf folgt dann die Berechnung des ROI. Nur mit Technologiebcgeisterung tendieren RFID-Projekte zu scheitern.

möbelfertigung: Sind Ihnen in letzter Zeit andere interessante Entwicklungen in Sachen Vernetzte Fertigung aufgefallen?

Anja M. Koitka: Viele dieser Dinge gehen tendenziell in Richtung unserer Exponate auf der

„Ligna“ 2015. Unsere Gesamtprasentation auf der Messe war ja darauf ausgelegt, Trends in Richtung Industrie 4.0 aufzuzeigen. Wr sehen in diesem Zusammenhang etliche dieser Trends in konkrete Projekte umgesetzt. RFID und das damit verbundene intelligente Werkstück oder Produkt, das aufgrund von definierten Regeln den eigenen Weg durch die Fertigung und Logistik findet, verbunden mit dem entsprechenden Maschinenpark, der so etwas ermöglicht, ist da ein wesentlicher Grundbaustein.